Vertraue dem Navi nicht

Nachdem ich mich etwas in Sarajevo verliebt habe, fällt es natürlich umso schwerer sich zu verabschieden allerdings muss es ja auch weiter gehen zudem gibt es auf dem Balkan noch mehr zu entdecken. Also Günther wieder beladen, meine beiden Österreicher eingepackt und ab ging es Richtung Süden. Nächste Station für uns war Mostar mit seiner berühmten alten Brücke über die Neretva.

Die berühmte Stari Most

Unglücklicherweise ist die Stadt zwar ganz adrett allerdings so von Touristen überrannt, dass jegliches Flair verloren geht. Am besten ist es, wenn man ganz früh morgens, oder zur blauen Stunde dort ist, um den Horden von türkischen oder japanischen Touristen zu entgehen. Die Nähe zum kroatischen Dubrovnik ist leider stark zu spüren, sodass es zahlreiche Tagesausflüge nach Mostar von Kroatien aus gibt. Immerhin der Schuss saß und ich kann behaupten, dass das Foto von der Brücke ganz gut geworden ist 🙂

Europe, Bosnia and Herzegovina, Herzegovina-Neretva, Mostar, Old Town

In der Nähe von Mostar gibt es noch einen Naturpark mit dem Haus des Derwischs (Blagaj Tekke) welches direkt an einer Quelle errichtet wurde. Da es schon fast Nacht war, campten wir direkt am Fluss und machten uns den nur halbherzig geöffneten Campingplatz nebenan zunutze.  Nach Mostar beschlossen wir erst mal Richtung Süden zu fahren und die strategisch am besten gelegene Stadt erschien uns Trebinje. In Sarajevo trafen wir abends in einer Shishabar 3 österreichische UN Peacekeeper, die uns von der Schönheit der Stadt berichteten. Als besonders „interessant“ entpuppte sich allerdings nicht die Stadt, sondern der Weg dort hin.

Europe, Bosnia and Herzegovina, Herzegovina-Neretva, Blagaj, Blagaj Tekke

Franzi warf, da wir keine Internetverbindung hatten, ihre App „Maps Me“ an, da damit auch Offlinenavigation möglich ist. Die App führt einen dann recht direkt ans Ziel. Direkt heißt, dass es Maps Me vollkommen egal ist, ob die Straße eine Autobahn oder ein Feldweg, oder ein Wanderweg/Ziegenpfad ist. Und so fuhren wir auf immer kleiner werdenden Wegen durch die Pampa und vertrauten einfach darauf, dass Günther das packt. Das Tat er auch, nachdem wir uns 35km mit zugeschaltetem 4×4 über Steine und Felsen schraubten, somit hatte Günther  seine erste Offroad-Feuerprobe, die er meisterlich bestanden hat. Mitten im Nirgendwo trafen wir auf ein Gehöft, besser zwei Steinhütten, das von einem alten Ehepaar bewohnt wurde. Die Pferde suhlten sich in der Erde und waren so zutraulich, dass sie sogar neugierig Günther und Benschi inspizierten. Hätte ich ein normales Auto gehabt, hätte ich Maps Me verflucht, so wurde der Tag einmalig mit sehr besonderen Eindrücken. Allerdings sollte man anmerken, dass man in Bosnien Herzegowina besser nicht einfach offroad umherfährt, da im gesamten Land Mienengefahr herrscht und jährlich ca. 650 Menschen an Mienen sterben.

Der gute alte Herr mit den Pferden mitten im Nirgendwo

Nachdem wir uns schließlich Trebinje angeschaut hatten und nochmals ein bisschen in die Pampa zum campen fuhren, trennten sich nach einem zeremoniellen Baklava unsere Wege. Meine beiden Reisebegleiter  zog es nach Dubrovnik, mich nach Montenegro. Bosnien Herzegowina machte auf mich einen sehr guten Eindruck, die Menschen sind äußerst freundlich, auch wenn die Narben des Krieges noch längst nicht verheilt sind.