Albanien & Mazedonien

Nach einem Entspannungstag im Süden Montenegros packten wir wieder alles zusammen und ab ging es nach Albanien. Erst mal wieder schön eine gesperrte Straße lang, um festzustellen, dass der Grenzübergang natürlich auch geschlossen war. Da die illegale Strecke aber kürzer war und wir doch einen Weg durch die Pampa zur Hauptstraße gefunden hatten erreichten wir Albanien recht rasch. Überraschenderweise wollten die Albaner von meiner Grünen Versicherungskarte nichts wissen, eventuell lag es daran, dass ich meine 15€ Versicherungs aus Montenegro noch hinten in den Fahrzeugschein gesteckt hatte und diese zufällig auch irgendwie grün war.

Da wir nicht direkt nach Tirana wollten, wo ich mir mal für 2 Tage ein Hostel gegönnt hatte, machten wir uns auf den Weg zum Komansee im Norden Albaniens. Da Albanien für seine „interessanten“ Straßenverhältnisse bekannt ist, rechneten wir auf dem Weg dort hin mit dem Schlimmsten, aber außer Schlaglochpisten und unendlich vielen Kurven kamen wir gut bis zum Stausee durch. Leider fuhr die Fähre erst am nächsten Morgen und da wir ja eine Reservierung in Tirana hatten, kehrten wir um, der Ausflug war denn noch sehr schön, und ich möchte es nicht ausgelassen haben.

Grafitti am Straßenrand

Klugerweise haben wir es mal wieder geschafft eine größere Stadt im Berufsverkehr zu durchqueren, das Hostel war natürlich genau auf der anderen Seite der Stadt und so hatten wir ausgiebig Gelegenheit die albanische Fahrweise zu studieren und zu erlernen. Im Konkreten heißt das, dass jeder in etwa Fährt wie, er will, so schnell er will, und wo man eben noch so durchpasst. Da werden Kreiseverkehre auch mal gegen die Richtung abgekürzt, sofern es dem schnelleren Vorankommen dienlich ist. Ich konnte mich gut anpassen und komme naturgemäß aufgrund meines eher lockeren Gemüts sehr gut damit klar. Das Hostel hatte keinen Namen und der Tankstellenwart um die Ecke rief den Besitzer um uns hereinzulassen. Das Hostel war super, die Leute unglaublich nett und zuvorkommend, sodass ich sogar meine Wäsche in der ausschließlich für die Angestellten Waschmaschine waschen durfte. Als Dank, und das war der Deal, schrieb ich ihnen glatt eine 10,0 Bewertung bei booking.com 😉

Wie einst Enver Hoxha

Tirana hat an für sich nichts besonderes, aber man fühlt sich irgendwie sofort wohl. Die Leute sind extrem lässig, die Stimmung sehr entspannt und man fühlt sich einfach wohl. Wir schlenderten bis zum Stadtzentrum, erfreuten uns an den unglaublich niedrigen Preisen (ein Börek mit Fleisch: 0,27€), und kletterten an Enver Hoxhas ehemaligem Museum die Seitenwände hoch um den Ausblick zu genießen. Immerhin eine gute Sache, die dieser unglaublich inkompetente Irre in dem Land hinterlassen hatte. Überhaupt merkt man in Albanien eine unglaubliche Aufbruchstimmung, die sich sehr positiv auf die Gastfreundschaft niederschlägt. Gefühlt möchte jeder das Land in irgendeiner Form vorantreiben, auch wenn die meisten Leute den halben Tags in den zahlreichen Cafes abhängen und irgendwie nichts tun.

Nach Tirana trennten uns unsere Wege nun endgültig und fast unter Tränen verabschiedete ich mich von meinen sehr lieb gewonnenen Österreichern. Meine Reise ging nach Süden und mir wurde Berat empfohlen. Die Stadt ist sehr hübsch in einem Tal entlang eines Flusses gelegen, und macht durchaus was her, allerdings hatte ich das Pech in ganz Albanien Sauwetter ab zu bekommen. Ich öffnete als meine Locus Map und verschaffte mir erst mal einen Überblick, wie ich weiterreisen wollte. Mazedonien stand bei mir auf der Liste, auch wenn es nicht der direkte Weg war und so steckte ich mir eine Route ab.

Europe, Albania, Berat county, Raban

Ich fuhr die Straße von Berat nach Süden weiter, bis es dämmerte und ich an einem winzigen, provisorischen Campingplatz 3 sächsische VW Busse sah. Ich entschloss mich dort zu campen und verbrachte einen netten Abend mit einer bunt zusammengewürfelten Kajaktruppe, die auf der Suche nach schönen Flüssen war. Man teilte mir mit, dass die Verbindungsstraße nach Süden  nur mit 4×4 möglich wäre und ich solle ihnen doch eine SMS schicken, ob dem wirklich so wäre. 4×4? Das klingt doch genau nach dem Abenteuer, das ich mir vorstellte! Ich fuhr am nächsten Morgen zeitig los und schon nach ca. 15km wusste ich was die Truppe mit 4×4 meinte. Man überquert eine abenteuerliche Holzbrücke und dann gehts nur noch über Fels und Schlamm die Piste durch die Berge hoch. Wow! Was für eine geniale Strecke, keine Menschenseele und wirklich 50km pure Offroadpiste. Günther und ich waren im 7. Himmel, was für ein Spaß 🙂 Brav grub sich Günther durch die bizarre Nebelwaldlandschaft, die Aussicht war atemberaubend, genauso wie die Straße.

Europe, Albania, Berat county, Poliçan, Osum River

Nach der anstrengenden Offroadeinlage erreichte ich Tepelene und es ging halbwegs normal (sofern man das von albanischen Straßen überhaupt sagen kann) auf der Hauptstraße weiter Richtung Koçe im Südosten Albaniens weiter. Auf dem Weg sammelte ich noch zwei Deutsche (im besten Alter) auf, die durch den Balkan trampten. Von außen sah es so aus, als ob ich meine Eltern durch die Gegend fahren würde und so war es umso lustiger mit fast doppelt so alten Reisenden die Fahrt fortzusetzen. Ich bescherte den beiden ein paar schöne Abenteuer mit Günther und ich habe die Vermutung, dass sich Gerhard irgendwie in ein solches Fahrzeug verliebt hat. Da es mal wieder aus Kübeln schüttete, organisierten sich Bärbel und Gerhard ein AirBnB und somit war meine Dusche am nächsten Morgen gesichert 🙂

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Da wir drei uns super verstanden und ich es unglaublich spannend fand, dass sich Gerhard ohne vorherigen Bezug zur Seefahrt in die Materie Schiffbau eingelesen hat, beschloss ich die beiden mit nach Mazedonien zu nehmen. Er erzählte mir, dass er vor Jahren selbst einen Katamaran gebaut hat und damit über den Atlantik bis nach Brasilien fuhr. Was für eine Leistung! Ich bin immer noch beeindruckt und habe ganz großen Respekt vor dieser tollen Leistung. Bärbel und Gerhard, ich werde euch auf jeden Fall in Kassel besuchen kommen 🙂

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In Mazedonien kamen wir nach einer hübschen kleinen Passüberquerung schließlich in Orhid an dessen wunderschönen See an und scoutete mir schon mal am Nachmittag eine gute Fotolocation aus. Das Wetter war extrem wechselhaft und alle 30 min. kam ein Regenguss durchmischt mit Sonne, Wolken und Gewitter. Und genau diese Stimmung habe ich gebraucht. Ich parkte Günther mal wieder illegal in einer Privateinfahrt, da das Haus verschlossen aussah. Das Gewitter nahm seinen vollen Lauf, Gerhard lief noch mal zu Günther zurück um Regensachen zu holen, um ihn verschlossen hinter einem Tor in der Einfahrt vorzufinden. Da er keine Lust auf eine eventuelle Diskussion hatte, kam er ohne Regenkleidung zurück, die beiden kauerten sich unter Bärbels Regenjacke und ich unter meinen Knirps, mit dem Stativ nebst Kamera kuschelnd um das Gewitter einzufangen. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, manchmal brauchts eben etwas Glück.

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Europe, Macedonia, Ohrid Municipality, Ohrid, Church of St. John at Kaneo, Blitz und Donner!

Ich verbrachte noch zwei weitere Tage im recht wilden Mazedonien und erreichte schließlich Hellas. Mehr dazu aber erst in ein paar Tagen im nächsten Beitrag 🙂