Georgien
Nachdem ich mal wieder vergeblich versucht habe durch ein unüberwindbares Schlammfeld zu kommen und ich wenig Lust versprühte noch einen weiteren Tag in Ushguli zu bleiben, bis die Bulldozer den Weg nach Unterswanetien freigeräumt hätten, beschloss ich wieder nach Mestia zurückzufahren.
Europe, Georgia, Svaneti, Samegrelo-Zemo Svaneti, Ushguli

 

Auf dem Weg dorthin begegnete ich einem Schweizer Pärchen, die mit ihrem Landrover in etwa die Strecke fahren, die ich ursprünglich fahren wollte. Nur waren die beiden so klug von Georgien aus nach Kasachstan zu fahren und die Tour so weiterzuführen, falls Turkmenistan das Visa nicht ausstellt. Das hat den Vorteil, dass man von Kasachstan recht bequem mit der Fähre über das Kaspische Meer nach Azerbaijan fahren kann und nicht im Iran stecken bleibt. Wir freundeten uns an und beschlossen zwei Tage zusammen zu reisen.

Mit Andrea und Fabio zu reisen war eine sehr entspannte Angelegenheit, wir fuhren weiter nach Süden und fanden ein Flussbett, das wir so lange entlangfuhren, bis wir sehr einsam einen exzellenten Campingspot fanden. Es war bis dato mein absoluter Lieblingsschlafplatz neben dem Fluss auf saftigem Grün mitten in einem Fluss. Fabio packte seinen deutschen Hightechgrill aus und in null Komma nichts war das Feuer entfacht. Ich fand es absolut beeindruckend, wie schnell das Grillgut gar war, schien dieser Ofen doch mächtig Dampf zu haben!

 

Nach Kutaisi trennten sich unsere Wege, ich hätte im Nachhinein länger mit den beiden reisen sollen, war die Atmosphäre doch einfach herrlich. Ich beschloss es mit der Hauptstadt Tiblisi aufzunehmen, dem Wort Kampf kam eine neue Bedeutung zu sofern man sich durch den dortigen Verkehr bis zum Hostel quält. Angekommen an der Bleibe war der Besitzer nicht da, das WC funktionierte nicht und so nahm ich mir einfach selbst ein Zimmer.

Da das Bett unterirdisch unbequem war schlief ich erneut einfach im Günther. Ich liebe ihn mittlerweile sehr und weiß einfach seine mollige Wärme sehr zu schätzen. Tiblisi ist eine hübsche Stadt, wenn das Verkehrschaos den charm nicht leider schon stark angekratzt hätte. Da mir Tiblisi fürs Erste doch zu quirlig war beschloss ich wieder in den Großen Kaukasus zu fahren, das Ziel war Shantili im Norden ca. 5 km von der russischen Grenze entfernt.

Europe, Georgia, Dusheti, Gudani, Datvisjvari Pass

Der Weg war wie immer typisch beschwerlich, aber die „Straßen“ sind einfach das Interessanteste in Georgien. In vielen Serpentinen und durch Geröll und Schlamm windet sich der Weg auf 2600m den Pass hoch. Oben hat man eine sagenhafte Aussicht ins Tal, die Wolken brechen sich an den noch teils schneebedeckten Berghängen, die Natur ist unglaublich rau und schön.

Shantili an sich fand ich nicht ganz so spannend wie angekündigt, aber der Weg dort hin ist einfach atemberaubend. Der Tourismus hat leider auch schon einzug erhalten, allerdings scheinen die meisten Touris nur zu einem Tagesausflug ins Dorf zu kommen, da ich außer ein paar Einheimischen keine anderen Leute getroffen habe. Ich beschloss weiter in den Bergen zu bleiben und so fuhr ich die ganzen 100km über unwegsame Straßen zurück um dann im Nebental die Straße wieder nach Norden Richtung Kazbegi zu nehmen.

Kazbegi ist in meinen Augen kein schöner Ort mehr. Es wimmelt von Touristen, alles ist nur aufs Trekking ausgelegt und das Einzige, was man dort machen kann, ist Wandern, wäre da nicht der tägliche, ergiebige Regen, welcher ein solches Vorhaben meist schon im Keim erstickt. Zum Glück habe ich ein regendichtes Auto und so konnte ich immerhin auf einem 4×4 Pfad noch zur Gergeti Dreifaltigkeiskirche, welche vor allem beim Sonnenaufgang vor dem massiven Kazbeg Mountain (5033m) beeindruckend wirkt.

Europe, Georgia, Kazbegi Municipality, Mount Kazbek
Am frühen Morgen quälte sich Janka, eine junge Deutsche von Kazbegi den Pfad bis zur Kirche hoch, da es aber bereits schon um 8h morgens wieder zuzog und man den Berg nicht wirklich in seiner vollen Pracht sehen konnte beschloss sie einfach auch bei der Kirche zu bleiben. Ich machte Kaffe, das hatte sich die Gute aber auch verdient, und wir besuchten die Kirche, während ich ein paar Bilder vom Bergmassiv machte. Ich bot ihr an, sie am nächsten Tag wieder mit runter Richtung Tiblisi zu nehmen und am Autobahneck trennten sich unsere Wege. Ich wollte Tiblisieinfach noch mal eine Chance geben.

Tiblisi machte es mir aber auch wirklich schwer. Ich suchte mir diesmal ein Hostel über AirBnB und fand ein wunderschönes, zentral gelgenesAppartment (Hostel würde ich es nicht nennen), welches wie eine Art WG aufgebaut war. Der Besitzer, welcher selbst in dem Appartment lebte, war sehr locker drauf, ich lud meine Sachen im Zimmer ab und trag mich mit dem Australier Jake, den ich in Ushguli kennengelernt hatte. Dort plauderten wir mit ein paar Jungs und irgendwann kam der übliche Regen, diesmal allerdings sehr heftig mit Sturm und Gewitter. Ich war sozusagen im falschen Hostel gefangen. Als ich zurückkam, fand ich die Wohnungstür verschlossen vor, auf Klingeln machte keiner auf! Es war 1h nachts und ich stand durchnässt vor der Tür, vom BEsitzer weit und breit keine Spur! Ich machte mich am Fenster bei dem Nachbar unten drunter aufmerksam und wir versuchten über das Treppenhaus mit einer Leiter durch das Fenster auf den Balkon zu gelangen. Das gelang so weit auch, allerdings waren die Balkone von einer Holztüre von einander getrennt und ich traute mich nicht bei Sturm und Gewitter im 4. Stock über die Balkone zu klettern. Die Familie lud mich zu einem Getränk zu sein ein, wir plauderten und ich hatte wenigstens die Chance auf Toilette zu gehen bevor ich mal wieder…. im Günther die Nacht verbrachte, war der Besitzer einfach nicht zu erreichen! Am nächsten Morgen kam eine ganz demütige und peinlich berührte Nachricht des Besitzers, da er sich mit einem Freund außerhalb Tiblisi völlig abgeschossen hatte und auf keinen Anruf reagierte. Im Hostel war noch ein russisches Mädel, welche den Schlüssel zum Appartment hatte. Er hatte ihr wohl gesagt, dass sie das Appartment auf keinen Fall abschließen solle, was diese wohl ignorierte.

Konsequenz aus der Geschichte, Irakli der Besitzer bot mir an so lang und so oft zu bleiben, wie ich möchte und das Ganze auch noch kostenfrei! Ich habe somit offiziell eine Dauerbleibe in Tiblisi 😀

 

Da ich doch recht schnell durch die Türkei gefahren bin und das im Nachhinein doch etwas bereue, wollte ich noch etwas Zeit in Georgien, welches ich im Übrigen sehr überbewertet finde, totschlagen. Also fuhr ich Richtung Borjomi, dem alten sowjetischen Erholungsort im kleinen Kaukasus. Vor Ort wühlte ich mich mit Günther durch den Nationalpark, der mir wie der Schwarzwald vorkam und verbrachte zwei sehr relaxte und lesereiche Tage vor Ort. Von Borjomi aus fuhr ich wiederum hoch in die Berge zum Tabatskuri See, die Landschaft änderte sich schlagartig man gelangt zu einer Art grünen Hügelsteppe, in etwa so stelle ich mir Kirgistan vor! Es war traumhaft und in meinen Augen mit Abstand das schönste, was Georgien bis dato zu bieten hatte! Keine Menschenseele außer zwei Polen, mit denen ich zwei Tage an diesem See campte. Am Abend kamen 3 Einheimische Jungs mit ihren Schlauchbooten zu uns gefahren, entfachten ein Feuer und grillten uns Fisch. Wir bedankten uns und die 3 zogen wieder ab, was für eine Geste! Hier war sie noch, die berühmte georgische Gastfreundschaft, die leider in weiten Teilen des Landes verloren gegangen ist.

Europe, Georgia, Samtskhe-Javakheti, Borjomi, Ktsia-Tabatskuri Managed Reserve, Tabatskuri Lake

Nach vier Tagen relaxen war es für mich an der Zeit Georgien langsam zu verlassen und ich entschloss mich ganz im Osten über die Grenze nach Azerbaijan zu fahren.