Azerbaijan & Nordiran

Nachdem ich Georgien hinter mir gelassen hatte, freute ich mich schon auf Azerbaijan. Nicht, dass das Land besonders viel zu bieten hätte, aber man hat letztlich das Gefühl Europa und die russische Hemisphäre wirklich hinter sich gelassen zu haben. Das ist natürlich nur ein rein subjektives Gefühl, war Azerbaijan doch auch eine SSR und somit wichtiger Teil der Sowjetunion.

Was sofort auffiel, war der Menschenschlag. Das Klima änderte sich merklich zu sehr gastfreundlichen Menschen, ohne jedoch in irgendeiner Weise aufdringlich zu wirken. Ich verbrachte die erste Nacht am Rande der Berge im Nordwesten des Landes und wurde inmitten einer kleinen Stadt von einem heftigen Gewitter überrascht, welches mal eben die gesamte Stadt flutete. So schnell der Schauer kam, so schnell war er auch wieder vorbei und ich konnte mir meinen Schlafplatz suchen. Mein allabendliches Ritual (sofern es das zulässt) mich zu duschen war an diesem Abend besonders einprägsam, da ich, als ich die Gießkanne zum Ausspülen der Haare ansetzte, in ca. 50m Entfernung ein Wolfsrudel jaulen hörte. Das beschleunigte meinen Duschvorgang merklich, ich legte sogar die Machete bereit.

Weiter ging es über steppenartige Faltengebirge nach Baku, der Hauptstadt und modernen Boomtown in Azerbaijan. Die Stadt, sowie eigentlich das ganze Land lebt vom Öl, was damals auch die Wehrmacht schon dazu bewogen hatte, schnurstracks Kurs auf die Ölfelder zu nehmen. Azerbaijan hat die weltweit viertgrößten Erdölvorkommen der Welt, das schwarze Gold ist somit Lebensader der gesamten Region. Für Öl muss man nicht lange bohren, es sprudelt praktisch direkt aus dem Boden, was inmitten der Pumpanlagen zu Ölseen führt. Ein äußerst pittoreskes Bild, scheußlich und faszinierend zu gleich.

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Baku ist eine recht gemütliche Stadt, nur leider gibt es dort nicht viel zu tun, außer den lokalen Gemüsemarkt zu besuchen und das architektonisch sehr interessante Heydar Aliyev Center zu bestaunen und zu fotografieren. Man könnte fast meinen, Oscar Niemeyer wäre noch mal von den Toten auferstanden und hätte nach Brasilia noch einen draufgesetzt. Die Formen fügen sich wirklich herrlich in das Stadtbild ein.

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Mir war mal wieder nach Wüste und so gabelte ich eine lustige Deutsche namens Stella auf und wir verbrachten ein paar Tage in der Wüste um Qobustan herum sowie einem Seennationalpark weiter westlich. Es handelt sich dabei um eine sehr trockene Steppe, die von kleinen Vulkanen durchzogen ist. An manchen Stellen sprudelt Schlamm aus den Vulkanen hervor, was ein sehr bizarres Bild ergibt. Durch die trockene und staubige Luft glühte der Horizont sowie der Himmel beim Sonnenuntergang.

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Die Seen erwiesen sich eher als Pleite, handelte es sich doch um stehende Tümpel, an denen Fischer ihr Glück versuchten. Wir wurden auf einen kurzen Bootstrip in einer Nussschale eingeladen und ich war froh, dass meine Kamera wieder trockenen Fußes anlanden konnte. Die Jungs waren sehr erfreut über Touristen, da man sich hier wohl eher nie hin verirrt. Das große Problem an Seen in Verbindung mit Hitze, insbesondere wenn die Gewässer fast stehen, sind Mücken. Die Menge an Mücken kann man sich kaum vorstellen und so verkroch ich mich in Günther und Stella in ihr Zelt mit einem Antimückensmokering in der Hand.

Nach diesem schönen Ausflug in die Wüste ging es weiter Richtung Süden nach Lankaran, einem beschaulichen Städtchen im Kaspischen Meer. Dem Meer konnten wir nicht wirklich viel abgewinnen, die ganze Küste scheint völlig zugebaut, zudem ist der größte See der Welt schon ein arger Tümpel, was das Baden angeht. Hier trennten sich unsere Wege, Stelle buchte sich einen Zug zurück nach Baku und ich machte mich endlich auf in den Iran.

Die Azerbaijanische Grenzkontrolle ist ein echtes Chaos, zumal man erst mal in die falsche Richtung geschickt wird. Die Leute sind durch die Bank weg freundlich, aber man hat den Eindruck, das A nicht weiß, was B schon kontrolliert hat und wo man den Reisenden nun als Nächstes hinschickt. Und so verbrachte ich rund 2h bei der Ausreise, weil die Herren erstens von Günther fasziniert waren und zweitens vergessen, haben mir den Pass zu stempeln, was dem Immigration Officer am Ende der Grenze natürlich nicht gefiel. Also wieder zurückfahren und den Stempel holen … Chaos pur!

Umso beeindruckender fand ich die Grenzabwicklung im Iran. Man wird nicht nur sehr herzlich begrüßt, der Ablauf hat Hand und Fuß, die Grenzer wirklich äußerst professionell und kompetent und es dauerte keine 30 min. bis mein Carnet de Passage durchgestempelt wurde und ich die Reise nach Astara fortsetzen konnte. Im Iran kam ich rechtzeitig zum WM Spiel Portugal – Iran an und da es schon sehr spät war,beschloss ich in ein einsames Seitental zu fahren, um mir einen Schlafplatz zu suchen. Die Straße wurde zu einer Piste und irgendwann ging das ganze mal wieder in einen Offroadpfad über. Da es mittlerweile 1.30h nachts war, parkte ich Günther in einem kleinen Fluss, und verbrachte die Nacht in den Bergen, ohne zu wissen, wo ich überhaupt bin.

Am nächsten Morgen folgte ich dem Pfad und nahm zwei junge Iraner mit. Die klärten mich auf, dass der Pfad zu Irans höchstem Wasserfall führt und ob ich sie nicht mitnehmen könne. Der Weg wurde immer Steiler und Günther musste sein volles Potenzial mit 4×4 sowie Heck- und Mittendifferenzialsperre ausnutzen, um sich dort hochzuschrauben. Stellenweise hatten wir einen Steigwinkel von 25° auf Sandpiste, aber Günther machte seinen Job super und wir kamen an der letzten Siedlung an. Von dort aus waren es lediglich 15 min. Fußmarsch zum zugegebenermaßen bescheidenen Wasserfall. Ich wäre nicht ich, wenn ich es mir nicht nehmen lassen würde, unter Beifall der Iran unter dem Wasserfall nackt zu stehen, das hätte mir bei polizeilichem Erwischen rund 50 Peitschenhiebe eingebracht… hahaha.

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Nach dem Ausflug nahm ich die beiden wieder mit und sie halfen mir eine Werkstatt zu finden. Günther benötigte etwas pflege an der Vorderachse war eine Manschettendichtung gerissen und der Ganze Dreck und das Wasser von den zahlreichen Flussdurchquerungen hatte sich mit dem Fett durchmischt. Das Ganze fing langsam an hinter der Bremsscheibe runter zu siffen, ein Zustand, den ich so nicht länger ertragen mochte. Nach zwei Stunden war das Problem gelöst und die Fahrt konnte weitergehen.

 

Ich wurde die beiden Iraner allerdings nicht mehr los und irgendwie richteten sich die beiden auf eine längere Reise mit mir ein. Ich nahm sie mit bis Ardabil und am nächsten Morgen, nachdem ich sie an einem Hotel abgeladen hatte, machte ich deutlich, dass ich jetzt dann doch wieder alleine weiterreisen wollte. Die Leute sind so unglaublich nett hier, allerdings ist das recht schnell zu viel Gastfreundschaft, fühlt man sich doch nach einer Weile stark bevormundet. Die Iraner scheinen mir einfach zu lieb für diese Welt.

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Videos gibts diesmal leider nicht, obwohl ich sehr viel, sehr interessantes Material habe, aber das iranische Internet lässt es einfach nicht zu, zumal ich das ganze auch noch via VPN hochladen müsste. Ich hoffe in ein paar Tagen oder Wochen auf eine gute Leitung, dann wird das als Spezial nachgereicht.