Portraitspezial: Persien

Bevor es mit Landschaftsbildern weiter geht, möchte ich heute die Menschen des Irans vorstellen.  Eine sehr alte Kultur, sehr facettenreich mit lustigen, für uns fremden Eigenheiten. Um die bisher gesammelten Eindrücke besser beschreiben zu  können werde ich etwas in die Geschichte bzw. die Zusammensetzung der Bevölkerung abschweifen. Iran ist de facto der Nachfolgestaat des persischen Reiches und seiner nachfolgenden Reiche, die weit bis ins 5 Jahrhundert vor Christus zurückreichen. In seiner maximalen Ausdehnung reichte es von Thrakien (europäischer Teil der heutigen Türkei bis Nordwestindien in seiner West-Ost-Ausdehnung und von Georgien bis Ägypten von Norden nach Süden betrachtet. In diesen Regionen lebten verschiedenste Kulturen mit teils unterschiedlichen Religionen zusammen, was  noch heute einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung der ca. 80 Million Iraner hat. Während sich im Norden vor allem Menschen armenischer und azerbaijanischerAbstammung finden (Turkvölker) finden sich im Westen genauer in Kurdistan Kurden und Araber, während der Nordosten deutlich Turkmenisch geprägt ist.

Das Offensichtlichste, wenn man den Iran betritt, ist die ausgeprägte Freundlichkeit der Menschen. Völlig unabhängig davon, wo man sich im Land aufhält, die Gastfreundschaft ist weltweit einzigartig und absolut atemberaubend. Für einen Iraner scheint es das Größte zu sein einen Gast bei sich aufzunehmen, ihn im Idealfall durchzufüttern und zu verpflegen. Dabei werden weder Kosten noch Zeit gescheut, um dem Gast den Aufenthalt im Land so angenehm wie möglich zu machen. Dabei versteht es der Iraner seine Gastfreundschaft recht elegant anzubieten, ohne aufdringlich zu werden. Praktisch täglich wird man aufs Neue von den Leuten hier überrascht. Um euch eine Idee zu geben, werde ich ein paar Begegnungen beschreiben, die die Kultur vielleicht am besten erklären.

Ihr erinnert euch vielleicht an meine sehr intelligente Salzseeaktion, die uns 7h bei praller Sonne eingehandelt hat? Der Mensch, der am Anfang Hilfe geholt hat, hat uns die gesamte Zeit über begleitet und gewartet und uns am Ende zu sich mit nach Hause genommen, absolut beeindruckend so was!

Schlendert man durch die Bazare, so kommt es oft vor, dass einem Kinder nachlaufen und ihre 3-4 Sätze Englisch nutzen um einen zu begrüßen und einen netten Aufenthalt im Iran zu wünschen. Für die Kleinen ist es das Größte, wenn man sie zurückgrüßt und die Hand gibt. Es ist extrem rührend zu sehen, wie die Menschen bestrebt sind ihr Land und vor allem ihre Leute in ein gutes Licht zu rücken, vor allem unter den widrigen Umständen, in denen sich das Land befindet.

So kann es auch vorkommen, dass man bei jedem Stopp an einer Trinkwasserquelle von einer iranischen Großfamilie zum Tee (der immer mitgeführt wird) eingeladen wird, oder gar das gesamte Festmahl in die Hand gedrückt bekommt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass eine Großfamilie die Verpackungskunst perfektioniert hat. In einen Kleinwagen kommen locker 7 Familienmitglieder, der Gepäckträger fasst 2 Perserteppiche, den obligatorischen Teebehälter und sonstiges Picknickgut. Dass dabei die Stoßdämpfer ihre Lebenszeit und Strapazierfähigkeit weit überschritten haben und die Räder praktisch schon im Radkasten schleifen, scheint niemanden zu stören.

Was uns auch oft passierte während unserer kurzen Foto- und Orientierungsstopps waren zufällige Begegnungen mit Menschen, die uns auf einmal einen Eimer Gurken oder Tomaten in die Hand drückten. Erfährt der Iraner, dass man aus Deutschland kommt, hat man ohnehin VIP Status erreicht.

Geht man in einem kleinen Laden einkaufen, kann es durchaus  vorkommen, dass der Besitzer sich erst weigert, überhaupt Geld für die Waren anzunehmen, man muss sich dann praktisch durchsetzen doch zu zahlen, damit der gute Herr seine Familie ernähren kann.

Als wir verzweifelt versuchten in einem Vorort von Teheran ein Hotel zu bekommen, was nicht gelang, da alles ausgebucht war, stoppte ein iranisches Pärchen, welches in Schweden lebt und unser Nummernschild erkannte. Wir wurden für die Nacht zu ihren Eltern eingeladen, für uns wurde sogar gegen unseren Willen, das Schlafzimmer geräumt und abends gab es üppig Essen. So was kann man sich nicht vorstellen, so was muss man einfach erlebt haben. Dabei ist das Ganze nicht etwa ein kultureller Zwang, es macht der gesamten Familie sichtlich Spaß Gäste von außerhalb bei sich zu haben.

In Esfahan gönnten wir uns zum schönen Abschluss ein recht hübsches Hotel, wir verbrachten 3 Tage dort und freundeten uns mit dem Management an. Da der Flieger erst 4.00h morgens ging, wurde kurzerhand beschlossen die Checkout Zeit von 10.00h morgens auf 23.30h nachts zu verschieben. Das Hotel hat uns sozusagen eine Nacht geschenkt, weil sie uns mochten, nebenbei haben sie das Abendessen einfach unter den Tisch fallen lassen, was sie wohl als „Discount“ abgetan haben. Ich fresse einen Besen, sollte mir so was mal in einem anderen Land passieren.

Die Gastfreundschaft im Iran scheint also fast keine Grenzen zu kennen aber es gibt auch  ein paar sehr unangenehme Eigenarten des Landes, welche meist auch von den Iranern selbst als sehr negativ empfunden werden. So dürfen Frauen in manchen Städten keine Shisha rauchen und es gibt bestimmte Orte, an denen es Frauen verboten ist, diese zu besuchen. Der obligatorische Hijab, welcher im öffentlichen Raum immer von Frau getragen werden muss, ist der überwältigenden Mehrheit der Menschen ein arger Dorn im Auge, aber da das Land leider nicht säkularisiert ist, herrschen die Mullahs mit eiserner Hand und Fortschritte zeigen sich nur langsam. Der Wille, das System zu ändern ist spürbar da, leider mangelt es den Leuten offensichtlich an Leidensdruck und Mitteln eine echte Veränderung herbei zu führen.

Neben diesen offensichtlichen Eigenarten gibt es noch ein paar sehr lustige Situationen, die wir erlebt haben…

Englisch ist nicht jedermanns Sache, aber es wird, vor allem bei Zahlen immer munter drauf los geenglischt, so entstehen  Fantasiezahlen wie „Fomtausend“, was irgendwas zwischen 30-35.000 Rial darstellen soll und einen erst mal vor ein lustiges Rätsel stellt. Auch „Chaintausend“ war echt kurios und scheint wohl 40.000 zu sein. Irgendwann fragt man dann extra oft nach den Zahlen, weil man noch ein paar lustige Neologismen erhaschen möchte, etwas fies zugegebenermaßen, aber zu lustig um es sein zu lassen 😀 Im Allgemeinen scheint Rechnen nicht gerade Volkssport im Iran zu sein, es kam schon min. 3x vor, dass sich Hotels oder Restaurants selbst beschissen haben, ich verbuche das irgendwann unter „Bankirrtum zu ihren Gunsten“ und erinner mich gerne an meine Kindheit und die zahlreichen Monopoly Spieleabende.

Beim Essen gibt es grundsätzlich nur Gabel und Löffel, Messer haben bisher keinen Einzug auf dem Tisch erhalten, was dazu führt, dass sich alle bei Tisch tierisch abmühen, Fleisch mit dem Löffel zu zerteilen. Ziemlich erheiternd ist auch die unendliche Geschichte vom grünen Tee. Versucht man heißes Wasser getrennt vom Tee zu bestellen wird der Iraner erst richtig kreativ. Mal kommt der Tee schon im Wasser und zog läppische 10 min. Mal bekommt man 2x Wasser und das Teesieb passt nicht in die Menge Wasser. Mal bekommt man das Ganze getrennt, allerdings wurde der Tee offensichtlich schonmal ausgezogen.

Falls man Windowshopping betreiben will und durch die Glasvitrine den ganzen Krimskrams betrachtet, kann es schon mal vorkommen, dass man hereingebeten wird, da drinnen noch viel mehr von selbigen Waren vorhanden ist. Man betrachtet die GLASvitrine dann einfach von innen und stellt belustigt fest, dass das Glas innen wie außen den gleichen Blick auf die Ware bietet.

Auch immer wieder erheiternd ist die Frage nach Richtungen und die Bitte, irgendetwas auf der GPS Map auf dem Handy zu markieren. Da kommt es regelmäßig vor, dass die Leute dann 10 min. lang in z.B. Georgien rumscrollen, bis man sie dann irgendwann erlöst und den Ort am besten selbst sucht. Kartenlesen scheint wohl nicht so ihr Ding zu sein, genauso wie Auto fahren. Eigeparkt wird ganz gerne mal auf Gehör, sprich man bollert einfach den Gegenstand an, der im Weg steht, was dann gleichzeitig auch die maximale Ausnutzung des Parkraums darstellt, Material…. Scheiß egal!

Immer wieder sehr erheiternd ist das Tanken. Da kann es schon mal sein, dass sich der Iraner dafür entschuldigt, dass er für Ausländer den doppelten Preis, also …. gut festhalten: 0,06€ statt 0,03€/Liter Diesel berechnen muss! Dies führt bei einem Volltanken (85l Tank) zu unglaublichen 5,10€ an Spritkosten für rund 800km.

Dies alles sind Situation, die man einfach live erleben muss und ich kann an dieser Stelle nur Werbung für den Iran machen. Auch wenn sich in Zukunft einiges im Land ändern sollte, die Leute sind die aufgeschlossensten, die ich je getroffen habe. Ich fürchte, das wird sich mit langsam steigendem Tourismus ändern, weshalb man das Land jetzt besuchen sollte.