Zentralpersien

Teheran entpuppte sich für uns erst als komplettes Desaster, da wir Günther im Westen der Stadt ruhig in einem Vorort parken wollten,, um dann die Metro in die Stadt zu nehmen, doch leider fanden wir kein Hotel. Alles war ausgebucht und so verweilten wir ein bisschen in einem Park, bis uns ein iranisches Pärchen aufgrund des deutschen Kennzeichens sah und uns spontan zu sich und ihren Eltern einlud. Was für ein Glück! Die Familie räumte sogar das Schlafzimmer für uns und lud uns zum Abendessen ein, was uns schon etwas peinlich war, allerdings retteten sie uns den Abend und die Nacht.

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Am nächsten Morgen machten wir uns dann schließlich doch mit Günther auf ins Stadtzentrum, parkten den guten in einer Garage und erkundeten die wenigen interessanten Dinge, wie z.B. den Azadi Tower und den Golestanpalast per Metro. Auf dem Weg zum Palast fand ich in einem Fotografiegeschäft eine original Leica M3, welche für nur 550€ angeboten wurde, traute mich aber nicht so früh so viel Geld dafür hinzulegen. Ich habe eventuell in 2 Wochen noch mal Zeit das Ganze zu bedenken.

Die nächste Nacht wollten wir nicht in Teheran verbringen, sondern entschlossen uns dazu abends aus der Stadt Richtung Damavand zu fahren. Leider ist selbst um 21h in Teheran noch Rushhour, sodass es zwei Stunden und viele falsche Abfahrten dauerte, Günther durch den ätzenden Verkehr zu quälen. Am Rande des Nationalparks angekommen fanden wir einen hübschen, ruhigen Platz zum Schlafen und erfreuten uns am nächsten Morgen an der atemberaubenden Aussicht auf den Gipfel.

Wir beschlossen weiter, stramm Richtung Süden zu fahren, Qom hinter uns zu lassen und direkt Kashan anzusteuern. Kashan ist eine klassische Wüstenstadt, welche durch ein  entspanntes Flair mit wenig Verkehr und historischen Gebäuden besticht. Bisher ist Kashan auch definitiv mein persönliches Highlight gewesen, hat die Stadt doch sehr viel auf engstem Raum zu bieten. Am besten hat mir der alte, verzweigte Basar gefallen. Normalerweise ist man mit Basaren schon ab der zweiten Stadt gesättigt, sehen diese doch mehr oder weniger gleich aus, dieser allerdings bietet ein paar extra hohe Räume, welche von Doppel- bzw. Trippelkuppeln überzogen und anschließend mit detaillierten Mosaiken ausgestattet wurden.

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In relativer Nähe zum Basar findet man die Agha Bozorg Moschee, die nicht nur alt ist, sondern vor allem im Abendlicht durch ihren hübschen Innenhof besticht. Im gleichen Viertel befinden sich noch ein paar historische Wohnhäuser (meist von reichen Händlern) sowie ein Hamam welche besucht werden können. Wir haben uns dazu entschlossen zwei dieser Gebäude genauer anzusehen und es ist schon beeindruckend, mit welchem Detailreichtum die Anlagen ausgestattet wurden.

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Asia, Iran, Isfahan Province, Kashan, Tabātabāei House

Da uns Kashan, auch wenn es mit 45°C einem Grillfest nahekam, so gut gefallen hat, blieben wir 3 Tage in der hübschen Stadt, bevor wir uns nach Esfahan aufmachten. Esfahan ist eine Perle des Orients, übersäht von Sehenswürdigkeiten und weltberühmt, dadurch aber auch deutlich touristischer. Letzteres fiel aufgrund der Saison nicht all zu sehr ins Gewicht und so hatten wir die Möglichkeit die Stadt 4 Tage lang vor die Linse zu nehmen. Esfahan bietet auf engstem Raum extrem viel Sehenswertes, sei es die riesige und mit Kacheln verzierte Shah  oder die weit kleinere aber noch filigranere Sheikh Lotfollah Moschee. Beide befinden sich am zweitgrößten öffentlichen Platz der Welt, dem Naqsh-eJahan Platz. Ich konnte das Potenzial meiner 16-35mm voll ausschöpfen und Svenja bot sich als Model an.

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Nachdem Svenja wieder zurück nach Deutschland flog, ich aber meine Cousine abholen musste standen mir zwei Nächte mit wenig Schlaf bevor, da beide Flüge nachts stattfanden und es bei Sonnenlicht und Temperaturen nahe der 40°C Marke schier unmöglich ist Schlaf zu finden. Allerdings traf ich mich mit Samuel und Daniela, die ich mit Svenja in unserem Hotel kennengelernt hatte und wir steiften noch einmal durch Jolfar, dem Armenischen Viertel in Esfahan.

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Die beiden wurden vom Rezeptionisten unseres Hotels zum Essen eingeladen, er stieß in einem Kaffee dazu und lud uns schließlich alle bei sich ein. Es war beeindruckend, welche politische Rede der erst 19 jährige Mann vor uns hielt und was in seinem Land leider alles schief ging. Er nannte die religiöse Regierung eine Schande für die persische Kultur, baue diese doch auf Gastfreundlichkeit, Moderne und Freiheit auf. Es tut mir immer wieder Leid aktiv mitzubekommen, wie sich die Iraner ständig über ihre Regierung beschweren, gleichzeitig aber auch wenig Hoffnung in einen echten Wechsel haben.

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Nach erfolgreichem Abholen von Susanna blieben wir zwei weitere Tage, sodass sie die Stadt sehen konnte, ich nutzte die Zeit ein paar Shotsmehr zu machen, die mir beim ersten Mal verwehrt geblieben sind. Wir machten uns von Esfahan Richtung Südwesten auf nach Varzaneh, einem Wüstendorf am Rand einer Salzwüste mit anschließendem Salzsee.

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Die zwei Tage waren wohl mit die erlebnisreichsten in meiner Iranreise. Mit Günther vorsichtig durch den Sand und zwischen Dünen zu campen war schon sehr beeindruckend. Natürlich hatte ich Gelegenheit vom Sonnenaufgang Fotos zu machen, der Himmel brannte zwar nicht ganz so wie erhofft, es war dennoch sehr beeindruckend.

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Nach ziemlich heißer Nacht (es war bewölkt und es kühlte partout nicht richtig runter) fuhren wir auf der klassischen Touriroute zum Salzsee und cruisten ein wenige über die (diesmal) harten Salzplatten und hatten jede Menge Spaß dabei.

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Unser eigentliches Ziel an diesem Tag war Yazd, ebenfalls eine Wüstenstadt westlich von Varzaneh. Um dort hinzugelangen, entschlossen wir uns kurzerhand möglichste kleine Straßen und Wege zu nehmen, was sich als eine sehr gute Entscheidung herausstellte, da man so zum einen die Sanddünen umrundete und außerdem durch den alten Sumpf (im Sommer trocken) fuhr. Die Strecke war sehr schön und interessant, mit vielen Möglichkeiten einfach links oder rechts offroad zu gehen. Am Nordrand des Salzsees taten sich ein paar kleine, erloschene Vulkane auf und ich konnte es mir natürlich nicht  nehmen lassen Günther durch den Sand bis zu einem der Vulkane zu scheuchen um ihn dann mit 30° Neigungswinkel langsam den Berg hochkriechen zu lassen.

https://youtu.be/CaP7zMLjX6A

Der Grad war ebenfalls schmal und es wahr schon mehr oder weniger angst einflößend, das 2.3 Tonnengefährt auf dem schmalen Minikraterrand  zu parken (siehe Bilder und Video). Weiter ging es über Staubpisten durch die Wüste zu einem alten Fort, welches wir bekletterten, bis man schließlich wieder auf die Autobahn Richtung Yazd kommt.

In Yazd werden wir die paar Tage nutzen, um uns Gedanken zu machen, wo die weitere Reise hingehen soll. Entweder durch die Wüste nach Nordosten oder ins nordwestliche Kurdistan.