Faktbook: Iran
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Die Reise in den Iran stellt sich mittlerweile sehr einfach dar. Die Einreiseformalitäten sind, wer es genauer wissen möchte, auf der Seite des Auswärtigen Amtes einsehbar. Ich möchte hier aber konkret auf ein paar Dinge hinweisen, die ich persönlich erlebt habe und die einem bei der Planung sehr weiterhelfen können. Speziell möchte ich natürlich auf die Einreise über Land mit dem Fahrzeug eingehen.

Zunächst einmal: Es ist richtig einfach! Ich hätte nicht gedacht, dass die Grenzformalitäten so mühelos und die Vorbereitungen davor doch recht überschaubar sind. Wer plant mit dem Fahrzeug in den Iran einzureisen benötigt dazu folgende Dinge:

  1. Ein Carnet de Passage
    (Internationale Zollkarte), welches man über den lokalen Automobilklub des jeweiligen Landes (in Deutschland der ADAC) bekommt. Da ich deutscher Staatsbürger bin, gehe ich hier speziell auf Deutschland ein. Man beantragt beim ADAC in München bei der Abteilung Fremdenverkehr (Tel.: 08976760) ein Carnet de Passage, welches für den Iran obligatorisch ist. Das Antragsformular findet sich auf der Internetseite des ADAC ( Antrag Carnet de Passage ). Die Ausstellung des Dokuments lässt sich der ADAC mit 210€  einiges kosten, dazu kommt die Kaution, welche sich am Wert des Autos orientiert. Diese ist gestaffelt nach Fahrzeugklasse (Krad, PKW, LKW etc.) und beläuft sich bei einem PKW auf mindestens 5000€, gestaffelt in 2500€ Schritten. Mir ist nicht bekannt ob man die Einreise ohne ein Carnet de Passage an der Grenze über ein TIP (Temporary Import Paper) lösen kann, ich würde von einem Versuch abraten, da die Grenzabwicklung im Iran äußerst professionell ablief und ich nicht den Eindruck hatte, dass die Herren bestechlich oder verhandlungsbereit sind. Der ADAC schafft es in der Regel das Dokument binnen 2 Wochen an die angegebene Wohnadresse zu schicken. Das Carnet umfasst 25 Seiten, ist ein Jahr gültig und muss in allen carnetpflichtigen Ländern mit einem Einreise- und Ausreisestempel versehen werden. Ist die Dokumentation lückenhaft, wird die Kaution nicht zurückerstattet!
  2. Das Visum
    Das Visum ist mittlerweile auch sehr einfach zu bekommen. Man registriert sich online auf der eVisaseite des Irans. Dabei ist die korrekte Beschneidung und Größe der Scans von Pass und Passbild sehr wichtig, und stellt wahrscheinlich für den Otto-Normalverbraucher ohne Bildbearbeitungskentnissen eine mittlere Herausforderung dar. Ist der Antrag online ausgefüllt und gesendet erhält man nach 5-7 Tagen entweder eine Bestätigung (accepted) oder Ablehnung (denied). Wichtig ist dabei, nicht wie ich, auf eine Mail zu warten. Der Status kann nur online über die Trackingnumber abgerufen werden. Nach erfolgter Bestätigung begibt man sich an der im Antrag angegebenen Botschaft/Konsulat und kann das Visum ausstellen lassen (Normal: 50€ Dauer: 4 Tage/Express: 75€ sofortige Ausstellung binnen einer Stunde).
  3. Geld
    Der Iran nimmt aufgrund eines UN-Embargos nicht am SWIFT System, d.h. am internationalen Zahlungsverkehr teil, was so viel bedeutet, dass sämtliche EC- oder Kreditkarten im Iran nicht funktionieren. Ergo muss zwingend genug Bargeld mitgenommen werden. Eingetauscht werdenDollar oder Euro gleichermaßen. Beides ist sowohl in Azerbaijan, Armenien, Türkei als auch schon in Georgien über ATMs zu bekommen. Teures und unnötiges Eintauschen von Dollar in Deutschland ist zu vermeiden. Aufgrund der enormen Inflation (Stand 1. August 2018) sollte man nie mehr als 50-100€ auf einmal tauschen. Getauscht wird im Iran entweder in Wechselstuben oder auf der Straße, sofern man sich mit den Scheinen und dem tagesaktuellen Kurs auskennt. Der Bazar, welcher eigentlich in jeder Stadt vorhanden ist, ist meist eine gute Anlaufstelle. Auf das Umtauschen an offiziellen Stellen wie z.B. Banken ist zu verzichten, da sich deren Wechselkurs nicht am eigentlichen Schwarzmarktkurs orientiert und extrem schlecht ist.
  4. Kraftstoff
    Die Beschaffung von Diesel stellte, entgegen anderer Forumseinträge im Netz, bisher nie ein Problem dar (Außnahme: Kerman, da wollte erst die 4. Tankstelle verkaufen). Jeder Tankwart hat eine iranische Tankkarte, welche zwingend zum Tanken notwendig ist. Der Preis für Ausländer ist dadurch doppelt so hoch, anstatt 0,03€ werden 0,06€ /Liter Diesel fällig! Der Kraftstoff ist überraschenderweise  im Gegensatz z.B. zur Türkei immer rein gewesen und verursachte keinerlei Qualmbildung. Benzin gibt es überall, Diesel eher außerhalb oder am Rande der Städte, man achte auf tankende LKW

Im Land selber würde ich folgende Dinge bei nochmaliger Einreise anders machen:

  1. Ölfilter
    vorher besorgen und mitnehmen. Im Iran fahren praktisch nur benzingetriebene PKW. Nur LKW fahren mit Diesel, die Ersatzteilversorgung was den Motor betrifft ist deshalb nicht gewährleistet! Das betrifft alle Marken und stellt ein generelles Problem dar. Aufgrund des Embargos kommt auch nichts Japanisches, Europäisches oder Amerikanisches ins Land, sodass der Motor sowie elementare Fahrzeugkomponenten entweder den Aufenthalt überstehen müssen oder Ersatzteile mitgeführt werden sollten.
  2. So wenig Kleidung wie möglich mitnehmen
    und Platz sparen. Kleidung gibt es im Iran mannigfaltig und ist aufgrund des aberwitzigen Wechselkurses spottbillig. Iran beheimatet sehr viel Handwerk (Lederschuhe, Kleider etc.) sodass man sich kostengünstig mit guter Ware eindecken kann.
  3. Ein gängiges Mobiltelefonmodell mitnehmen
    Der iranische Staat hat einen mächtigen Überwachungsapparat aufgebaut, sodass man als Ausländer mittlerweile keine SIM-Karte mehr bekommt. Man ist also auf einen Iraner angewiesen, der selbige für einen besorgt. Ist allerdings das Modell unbekannt auf dem Markt (wie z.B.mein BQ Aquaris), sperrt die Staatskontrolle kurzerhand die mobilen Daten der SIM-Karte (wahrscheinlich, weil nicht gehackt werden kann).

Iraner sind wahrscheinlich die weltweit besten Gastgeber und es wird einem praktisch nie Hilfe verwehrt, auch wenn die Lage noch so misslich ist. Trotzdem habe ich noch ein paar sonstige nützliche Tipps, die einem das Leben im Iran noch angenehmer machen, als es ohnehin schon ist:

  1. Ordentliche GPS Karten besorgen.
    Sowohl Maps Me als auch Locus (mit einfachen Karten) sind oft nicht ausreichend gewesen. Speziell in abgelegenen Wüstengegenden musste ich schmerzlich feststellen, was alles nicht auf den Karten zu finden war. Schon Feldwege haben oft gefehlt. Meine Empfehlung geht deshalb ganz klar Richtung  Orux Maps . Iranern, so nett sie auch sind, nicht versuchen, eine Karte in die Hand zu geben. Kartenlesen scheint in Persien offensichtlich nie auf wichtig gewesen zu sein, sodass der hilfewillige Iraner ganz gerne mal in Georgien rumscrollt, wenn man was in der Nähe von Esfahan sucht.
  2. Kreisverkehre haben im Iran ihre eigenen Regeln. Das heißt nicht, dass man im Kreisel Vorfahrt hat! Überhaupt ist im Iran ständig und immer der gesamte Verkehrsraum um das Auto im Auge zu behalten. Ich habe bisher noch kein anderes Volk mit derart verheerenden Autofahrkünsten kennengelernt. Die Damen und Herren sind sehr oft durch Mobiltelefone oder Mitmenschen abgelenkt und überqueren eine Hauptstraße gerne auch mal blind in ein Gespräch vertieft.
  3. Die Infrastruktur ist überraschenderweise äußerst gut ausgebaut und in gutem Zustand. Ein 4×4 Fahrzeug ist nicht von Nöten, um im Land voranzukommen, jedoch macht sich dies natürlich in abgelegenen Gebieten sehr nützlich (Dasht-e Kavier, Dasht-e Lut, Zanjan, Varzaneh etc.)
  4. Raststätten auf der Autobahn haben meist gute und preiswerte Küche. Der Kreativität sind im Iran allerdings (entgegen mannigfaltiger Behauptung) kulinarische Grenzen gesetzt, man kann die außergewöhnlichen Essen an einer Hand abzählen. Oft läuft es auf den guten alten Kebab hinaus.
  5. Fast jeder Park/Stadtpark hat gute Campingmöglichkeiten. Iraner lieben Picknicks und Camping, sodass überall ein WC mit Wasserstelle zu finden ist.
  6. Reist man mit weiblicher Begleitung, ist man am besten einfach verheiratet. Überprüfen kann das ohnehin niemand und bei Ausländern wird einfach angenommen, dass man das auch ist. Ein Doppelzimmer im Hotel wurde noch nie verwert. Ein Ring am Finger ist ausdrücklich nicht von Nöten!
  7. Taxifahrer sind im internationalen Vergleich sehr ehrliche Zeitgenossen und es wird nur selten, wenn überhaupt versucht zu bescheißen. Ein Taxi (spottbillig, ca. 0,30€/Kilometer) kann in der Regel ruhigen Gewissens genommen werden.
  8. Während der Fahrt stellte es nie ein Problem da, wenn die Damen ihren obligatorischen Hijab abnahmen. Auch auf dem Lande, in relativer Einsamkeit störte sich keiner an der Kleiderordnung. Die Strenge hängt im Iran wesentlich von der Region und Stadt ab. Nachfolgend eine kleine Liste mit  konservativer/strengerer Kleiderordnung:
  • Qom (das Pilgerzentrum im Herzen Irans und einer der drei Heiligen Städte). Mehr Chador und Vollverschleiherung geht nicht mehr
  • Mahschad, ebenfalls eines der heiligen Zentren und dementsprechend konservativ.
  • Shiraz auch relativ konservativ, auch eine heilige Pilgerstädte. Die Damen waren recht konservativ gekleidet.
  • Esfahen, Kashan, Yazd recht durchmischt, jedoch deutlich konservativer als der Norden

Eher lockerer Umgang mit der Kleiderordnung (Hijab nur halb auf dem Kopf etc.)

  • Teheran ist wohl der liberalste Teil des Iran. Die Sittenpolizei ist mittlerweile in Teheran dazu angehalten Frauen nicht mehr wegen eines fehlenden oder verrutschten Hijabs festzuhalten. Verifizierung fehlt allerdings.
  • Tabris, Zanjan, Rasht, generell ist der Norden recht wenig konservativ. Eine kleine Außnahme würde ich vielleicht noch in Urmiye machen, allerdings längst nicht so konservativ wie Irans Zentrum.
  • Kerman wirkt nicht besonders konservativ, einige junge Leute mit eher laxer Haltung zum religiösen Fanal der Regierung

Ein paar Worte noch zum Sommerzeit im Iran. Ja, es ist heiß, allerdings vereint das große Land recht viele Klimazonen und Höhenunterschiede, die den Sommer trotz des heißen Wüstenklimas erträglich machen. Bisheriger Rekord war die Dascht-e Lut mit 47°C um 18.00h abends Ortszeit! Um die Mittagszeit kann man gut und gerne noch 3-4°C draufrechnen, nachts kühlt sich die Wüste langsam auf ca. 26°C ab, vor 23.00h ist an Schlaf, ohne Klimaanlage nicht zu denken. Der Ort Kerman selbst ist mit 38°C Ende Juli recht erträglich. Dicht dahinter kam Kashan mit 43°C, man sollte aber beachten, dass der Zentraliran auf mindestens 1000m Höhe liegt und das Klima absolut trocken ist.  Die Trockenheit macht sich auch sehr schnell auf der Haut bemerkbar, dicke Wollwachsalkoholsalbe wird praktisch aufgezogen wie Wasser. Die Mittagshitze ist in jedem Falle vermeidbar. Einzig ekelhaft kam mir bisher nur Rasht vor. Das Klima schlägt recht schlagartig von heißer trockener Hitze in schwüle, stickige und feuchte subtropische Hitze um, man bleibt praktisch am Fahrersitz kleben und steht in seinem eigenen Saft. Am Persischen Golf soll es ähnlich sein, ich wage den Versuch nicht.