Portraitspezial: Persien II

Nach den ganzen beeindruckenden Landschaften möchte ich noch mal kurz zu den Menschen abschweifen. Ich bin grundsätzlich sehr an interessanten Porträts interessiert, dabei ertappt man sich des Öfteren, dass man vor allem alte Menschen mit tiefen Furchen und sonstigen Gesichtsmerkmalen aufs Korn nimmt. Da alte Menschen nun mal nicht den Gasamtsschnitt eines Landes wiedergibt, habe ich explizit versucht alle Altersklassen, Geschlechter und Ethnien, so gut es mir gelang, mit einzubeziehen.

Asia, Iran, South Khorasan Province, Deyhuk District, Nayband

Wie im letzten Porträtspezial: Persien I schon erwähnt ist Iran ein multiethnischer Staat, sodass man auf die unterschiedlichsten Völker, mit ihren eigenen Gesichtszügen und Merkmalen trifft. Generell werden die Leute, je weiter man nach Süden geht, dunkler, was logischerweise der hohen Sonneneinstrahlung und Hitze geschuldet sind. Sehr interessant sind auch die mongolisch/turkmenischen Einflüsse in der Provinz Golestan. Die Leute benennen sich selbst auch als Mongolen nicht als Türken. Im Nordosten des Landes sieht man zunehmend asiatische Gesichtszüge, die Kleidung wird bunter und man vergisst fast, wie europäisch der Iran einst unter Shah Pahlawi war. Dort befindet man sich so richtig in Zentralasien.

Befindet man sich in Teheran, glaubt man fast in einer anderen Welt gelandet zu sein. Nicht, dass die Stadt touristisch viel zu bieten hätte, merkt man den liberalen Charakter der Hauptstadt deutlich, die Menschen üben auf offener Straße Kritik am System, Frauen tragen den Hijab weit lockerer oder nehmen ihn in Caffes und Restaurants teils ab. Nirgendwo sonst im Iran findet man eine solche Liberalität wie in der Hauptstadt.

Eine Region Irans, welche ich von Anfang an auf meiner Liste ganz weit oben hatte, war Kurdistan. Das kurdische Volk erstreckt sich über 4 Länder: Türkei, Syrien, Irak und Iran. Auch wenn diese Volksgruppe nie einen eigenen Staat hatte, so bilden sie doch einen gemeinsamen Kulturraum. Im Irak wird ihnen mittlerweile weitestgehende Autonomie gewährt und auch im Iran sind sie eine geschützte Minderheit mit einer eigenen Provinz.

Die Kurden, im Iran leider aufgrund einiger Sympathisanten mit dem IS etwas in Verruf geraten, sind ein äußerst umgängliches und freundliches Volk. Die Kleidung ist auffällig bunt, Männer tragen die traditionellen weiten Hosen mit charakteristischem Gürtel und Kopfbedeckung. Frauen tragen bunte Kleider, fast schon an Saris erinnernd. Keine andere Volksgruppe ließ sich so gerne fotografieren wie die Kurden, es wirkte, als wären sie froh ein paar Touristen begrüßen zu dürfen. Die Region ist vom Tourismus, aus mir unerfindlichen Gründen, komplett verschont geblieben.

Ich hoffe, ich konnte euch einen hübschen Querschnitt durch die iranische Gesellschaft präsentieren. Heute gibts mal weniger Text, dafür mehr Bilder 🙂