Westlicher Balkan

Nachdem ich das wunderschöne Slovenien verlassen hatte, erreichte ich als erste Station in Kroatien Rijeka. Die Stadt ist sehr hübsch, hat eine kleine aber feine Burg, die man schweißtreibend ersteigen kann, und man kann sich dadurch einen schönen Rundumblick über die Stadt verschaffen. Ich habe es irgendwie geschafft einen kostenlosen, ebenen Parkplatz an einem Berghang mit Blick aufs Meer zu ergattern, weshalb ich beschloss, dort auch gleich zu campieren.

Nach Rijeka verschlug es mich zu den Plitvicer Seen etwas weiter südlich an der bosnischen Grenze. Dort kam ich, nach einem recht abenteuerlichen Ritt über kroatische Landstraßen, am späten Nachmittag an und wollte mir erst mal ein Bild der Lage verschaffen. Als ich beschloss mir ein Nachtlager zu suchen, sah ich zwei junge Österreicher am Wegesrand, die nach Zadar trampen wollten. Ich bot ihnen an sie am nächsten Tag mitzunehmen und spontan willigten sie ein und wir beschlossen zusammen wild zu campen. Der Abend war sehr lustig, wir haben auch ein hübsches Örtchen zum campen gefunden.

Tags darauf schaffte ich es sogar kostenlos in den Nationalpark zu gelangen, Locus Maps hat hier sehr geholfen. Die Seen sind traumhaft, auch wenn sie touristisch sehr überlaufen sind. Ich hatte noch Glück, da auch hier die Saison erst im Mai losgeht, sodass ich morgens fast alleine dort war. Hätte ich vorher gewusst, wie einfach es ist, dort hineinzugelangen, wäre ich schon um 5.30h dort gewesen, naja kann man ja nicht vorher wissen.

Europe, Croatia, Ličko-senjska županija, Plitvice Jezera, Plitvice Lakes National Park

Nach erfolgreicher Fototour sammelte ich meine beiden Ösis Franziska und Benji wieder ein und wir fuhren nach Zadar. Zadar ist ein echtes Kleinod an der Adria. Beschaulich, vom Tourismus noch recht gut verschont, und schon Ernest Hemigway betonte die Intensität der Sonnenuntergänge. Leider hatte ich seit Wochen keine Wolke mehr am Himmel gesehen, sodass der Sonnenuntergang eher bescheiden ausfiel, aber die Orangetöne sind trotzdem bemerkenswert. Auf dem Weg nach Bosnien übernachteten wir im traumhaften Primošten direkt am Strand.

Europe, Croatia, Šibenik-Knin County, Primošten
Europe, Croatia, Šibenik-Knin County, Primošten

Nach 2 Tagen Zadar beschlossen wir alle gemeinsam endlich nach Bosnien Herzegowina zu fahren. Uns wurde mehrfach Sarajevo empfohlen (und nicht Mostar) sodass wir uns auf den Weg dorthin machten. Und da begann das echte Abenteuer. Ich schlug mich kurz mit dem Grenzer rum, da ich die Grüne Versicherungskarte für mein Auto natürlich nicht dabei hatte und nach langem freundlichem Hin und Her ließen sie mich schließlich für 10 Kuna statt 10€ durch (also 1,25€ statt 10€) 😛

Die Fahrt ging weiter durch einsame Gebirge, bis Google Maps auf einmal eine sehr „interessante“ Straße mitten durch den Wald vorschlug. Ich war natürlich heiß drauf zu testen, was in Günther steckt und so beschlossen wir es über Stock und Stein durchzuziehen. Günther kann praktisch alles, was er allerdings nicht kann, ist Schnee, da meine Mud Terrainreifen einfach ein zu grobes Profil aufweisen, sodass die Räder auf Schnee durchdrehen. Und so kam es, wie es kommen musste, wir fuhren uns beim 3. Schneefeld in 60cm tiefem Schnee fest.Ich habe naiverweise geglaubt, dort mit genug Geschwindigkeit einfach durchzupreschen, aber das erwies sich als fataler Fehler – Günther steckte komplett bis zu den Achsen im Schnee fest und es ging kein Millimeter mehr vor- oder rückwärts. Da half auch alles Schaufeln mit dem Klappspaten nichts, die Schneedecke war einfach zu massiv. Also lief der Fabian den Berg wieder hinab, bemerkte, dass keine Menschenseele vor Ort war, hörte aber ein leises Knattern eines Traktors. Auf einem Feld fand ich einen Bauern und ich machte ihm mit Händen und Füßen bemerkbar, dass ich meine Karre im Schnee festgefahren habe. Glücklicherweise rief der gute Mann seine beiden Jungs, die dann mit einem aufgemotzten alten Landcruiser anbrausten und mich wieder mit zu Günther mitnahmen. Die beiden fuhren sich im vorherigen Schneefeld auch noch fast fest aber schließlich schafften wir es mit Mühe Günther aus dem Eis zu ziehen – was für ein Abenteuer. Es war lustig, aber auch nur deshalb, weil wir gerade einmal 45 min. verloren haben. Wir merken uns also: Gelände ja, immer gerne, aber niemals mit Schnee!

Am Abend schafften wir es nach Sarajevo, der Stadt die den traurigen Rekord hält, am längsten belagert worden zu sein. Da ich zu diesem Thema viel Bildmaterial habe und ich euch gerne etwas über die Geschichte der Stadt und des Landes erzählen möchte mache ich dazu einen gesonderten Beitrag.

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Sarajevo ist auch deshalb sehr interessant, da hier die orientalische mit der westlichen Welt zusammenprallt. Die Jahrhunderte alten osmanischen Einflüsse sind deutlich, nicht nur an den zahlreichen Moscheen, sichtbar, auch die Menschen sind eine bunte Mischung verschieden Ethnien. Sarajevo hat uns so gut gefallen, sodass wir beschlossen noch einen Tag länger als geplant zu bleiben.

Europe, Bosnia and Herzegovina, Sarajevo Canton, Sarajevo, Ferhadija džamija